Moosach ein Stadtteil mit Vergangenheit und Zukunft

 

Moosach, älter als München, 807 erstmals urkundlich erwähnt und durch neueste Grabungen belegt, war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Bauern- und Gärtnerdorf im Nordwesten der rasant aufstrebenden Haupt-und Residenzstadt München. Das Mittelalter verlief, geschichtlich gesehen, wenig ereignisreich, bis der 30jähige Krieg Moosach und seine Bevölkerung an den Rand der Existenz brachte. Nur die ursprünglich romanische, zu den ältesten Kirchen Münchens zählende St. Martinskirche überlebte diese Notzeit. Mit der Verleihung der Hofmarksgerechtigkeit an die Gebrüder Pelkoven, kam wieder Leben in den Ort. Das Hofmarkschlössl wurde 1690 errichtet und zwei Sölden (Kleinbauernhäuser) an der Pelkovenstraße sind aus der Zeit zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch erhalten. Das Innere der Kirche wurde im Barockstil neugestaltet und die Hofmarksherrin Gräfin Maria Ignatia v. Hörwarth, die sich für Moosach einsetzte, wurde in dem Deckengemälde, geschaffen von Martin Heigl, abgebildet, zusammen mit dem Ehepaar Rieger, die das schmiedeeiserne Gitter in der Kirche stifteten. Moosach lag mitten im kurfürstlichen Jagdgebiet der Landesherren, wovon die beiden Fasanerien zeugten.

Im 19. Jahrhundert zogen viele Gärtner aus der heutigen Innenstadt (Giesing, Neuhausen, Schwabing) in das benachbarte Moosach, sodass es sich auch zum Gärtnerdorf entwickelte, waren doch der Viktualienmarkt und die Großmarkthalle wichtige Absatzmärkte. Ein Schritt mit großen Auswirkungen auf die dörfliche Struktur war die Verlegung der Landshuter Bahn über Moosach. Diese Gleisverbindung ermöglichte die Ansiedlung von Gewerbe-und Industriebetrieben (Rathgeber, Göggl, Nietenfabrik Flörsheim, Lagerhaus), denen der Gleisanschluss einen Standortvorteil brachte. Mit der Ansiedlung verbunden war eine steigende Bevölkerungszahl und erste Wohnblocks entstanden.  Damit einher gingen enorme Investitionen für die Gemeinde. Die Schule und die Kirche wurden zu klein. Armenpflege und freiwillige Feuerwehr mussten organisiert werden. Die Trinkwasserversorgung, Kanalisation und Elektrifizierung waren dringende Aufgaben. Auch der fehlende Trambahnanschluss bewog den Gemeinderat, unter Vorsitz von Bürgermeister Valentin Netzer, die Eingemeindung nach München voranzutreiben.

Einweihung des Brunnens am Moosach Stachus

Am 1. Juli 1913 konnte dann die Eingemeindung vollzogen werden und der Brunnen am Moosacher Stachus erinnert an den 100. Jahrestag. Aber erst im November 1930 konnte die Trambahn eingeweiht werden, waren doch der 1. Weltkrieg und die darauffolgende Inflation in den 20er Jahren dazwischengekommen. Der Baubeginn des ersten Verschiebebahnhofs 1938/39 veränderte die Landschaft um den Ort. Die Fasanerie Moosach und die Straße nach Feldmoching verschwanden unter den Kiesmassen und drei Baggerseen (Lerchenauer See, Fasaneriesee, Feldmochinger See) waren entstanden, die heute beliebte Naherholungsgebiete sind.

Während des Krieges wurden der im Bau befindliche Verschiebebahnhof, das Gaswerk und die zahlreichen Industriebetriebe im Münchner Norden Ziel von zahlreichen Bombenangriffen. Moosach war bis in die 60er Jahre noch ein Bauern- und vor allem Gärtnervorort geblieben. Doch der enorme Wohnungsbedarf nach dem Krieg führte dazu, dass viele ehemalige Felder und Gärtnereiflächen aufgegeben und mit Wohnblocks bebaut wurden. Damit stieg die Bevölkerungszahl rapide. Das Jahr 1972 machte München zur Olympiastadt und dieses Ereignis warf seine Schatten voraus – auch hier in Moosach. Das Oberwiesenfeld, früher Schafweide, Exerzierplatz, Landeplatz für Zeppeline und erster Münchner Flughafen, wurde gänzlich umgegraben und mit den Olympischen Stätten bebaut. Am westlichen Rand Moosachs entstanden die Olympia-Pressestadt und das Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Die Pelkovenstraße wurde ausgebaut und die Kegelbahn der Gaststätte Spiegl musste weichen. Sehr einschneidend war aber diese Entwicklung auf die Geschäftswelt Moosachs, waren doch die Feldmochinger-und die Pelkovenstraße beliebte Einkaufsstraßen, die durch den Bau des OEZ sehr an Attraktivität und damit an Kundschaft verloren. Erst durch den Bau der Meile Moosach mit seinem Einzelhandel

in der Umgebung ist ein neues Geschäftszentrum entstanden. Nach der Olympiade ging die Entwicklung des Stadtteils Moosach rasant weiter, vor allem der Bau von zwei U-Bahnlinien brachte enormen Zuzug bis heute. Mittlerweile sind die Flächen für eine weitere Stadtteilentwicklung schon begrenzt. Im Jahr 2004 konnte das 300 Jahre alte Pelkovenschlössl als Kultur-und Bürgerhaus der Öffentlichkeit übergeben werden und damit ist mitten im historischen Moosach auch das kulturelle Zentrum des Stadtteils entstanden. Aber auch die Kirchen, das Alten-und Servicezentrum, die zahlreichen sozialen Einrichtungen und die erst 2018 eröffnete Münchner Volkshochschule tragen zur kulturellen Vielfalt Moosachs bei. Nicht zuletzt soll das rege Vereinsleben Moosachs erwähnt werden, zu dem die mehr als dreißig im Gesamtverein zusammen geschlossenen Vereine beitragen. Vor allem die Arbeit des engagierten Moosacher Bezirksausschusses hat das Zusammenleben von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und die Stadtteilentwicklung Moosachs sehr positiv beeinflusst. So hört man von vielen Menschen, die im Stadtteil leben, immer wieder den Satz: „Wir leben gerne hier in Moosach und es ist in all den Jahren so viel Neues hier entstanden.“